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TocaMadera!

Pressebericht

Gelungene Premiere mit „Gitarre hoch 2“

Es war eine Premiere, aber das erfuhren die Hörer, die sich am Sonntagabend im Schloss Aschach zahlreich eingefunden hatten, erst ganz am Ende des Programms: Das Gitarrenduo „TocaMadera!“, bestehend aus André Herteux und Carlo Hilsdorf, hatte sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal mit einem kompletten eigenen Programm der Öffentlichkeit vorgestellt. Gespielt haben die beiden Gitarristen schon öfter gemeinsam: Als Duo spielten sie unter anderem im vergangenen Jahr in Sevilla auf einer Studienreise mit der Hochschule für Musik Würzburg, deren Absolventen beide sind. Weil das sehr gut funktionierte und die beiden Musiker auch in relativer Nähe zueinander leben und arbeiten (Herteux in Lohr am Main und Hilsdorf in Bad Kissingen), fassten sie in Spanien den Entschluss, als festes Duo unter dem Namen „TocaMadera!“, was so viel wie „Klopfe auf Holz!“ bzw. „Spiel’ auf dem Holz!“ bedeutet, weiter zu arbeiten. Ein guter Entschluss, wie man hören konnte.
Für ihr erstes Programm „Gitarre hoch 2“ hatten Herteux und Hilsdorf Bearbeitungen von Kompositionen aus Barock, Klassik und dem 19. Jahrhundert zusammengestellt: „Gigue en Rondeau“ und ein „Rigaudon“ stammten aus der Feder des französischen Clavecinisten Jean-Philippe Rameau; die Cembalosonaten 413 und K 141 (beide in d-Moll) von Domenico Scarlatti ergänzten das Repertoire dieser Epoche. Vom ersten Ton an fiel das perfekte Zusammenspiel der beiden Gitarristen auf; Herteux und Hilsdorf spielen absolut präzise, im Gestus wie aus einem Guss und klanglich ganz genau abgestimmt. Es wäre farblich nicht immer auszumachen gewesen, ob hier eine Gitarre klang, oder tatsächlich zwei, wenn einem die musikalische Struktur nicht des Öfteren verdeutlicht hätte, dass nicht ein Spieler alleine am Werk sein konnte –ein beeindruckendes Qualitätsmerkmal. Eine Auswahl an cembaloartigen Klängen, die –bei gleichbleibender Grundfarbe- auch ganz weichen Charakter bekommen konnten, daneben eine Fülle von leicht gespielten Verzierungen und interessant geführte Dialoge zwischen Solo- und Begleitinstrument ließen den Hörer schon bei Rameaus „Gigue“ aufhorchen. Die Spannung blieb, denn es kamen im Folgenden immer neue Farben zum Vorschein: elegant dahinfließende Läufe in Frage-und-Antwort-Manier, die zwischen rundlich-weich und eng-nasal wechselten, Echos bestimmter Motive, die in die Nähe leise spielender Holzbläser rückten, Dreiklangsbrechungen in stählerner Farbe, deren Wiederholungen lautenartig klangen und die Musik zuweilen in Pastellfarben tauchten. Die Grundstimmung war durchweg kammermusikalisch und wirkte eher angenehm zurückhaltend, trotz einer beeindruckenden dynamischen Bandbreite.
An den Beginn des zweiten Abschnitt ihres Programms hatte das Duo Wolfgang Amadeus Mozarts „Fantasie in d-moll“ KV 397 für Klavier gestellt, die André Herteux für zwei Gitarren eingerichtet hat. Eine Einleitung, die –von der Komposition her, aber auch in der Wiedergabe- spontan an Johann Sebastian Bach denken ließ und auf diese Weise eine gut gelungene Überleitung vom ersten Teil zu den Werken der Wiener Klassik darstellte. Das Thema war durch zartes Vibrato charakterisiert; insgesamt war die Fantasie geprägt durch ein (weder kitschiges, noch larmoyantes) Spiel mit viel Empfindung, aber auch mit Witz.
Gegenüber der Mozart-Fantasie wirkte die Bearbeitung von Joseph Haydns Streichquartett in E-dur op. 2,2, die der französische Gitarrist Francois de Fossa zu Beginn des 19. Jahrhunderts als „Grand Duo pour deux Guitares“ geschrieben hat, als Gitarrenversion originärer. Die Spieler haben die Möglichkeit, ihre technische Virtuosität (nicht nur in den vertrackten Verzierungsfiguren des ersten Satzes) viel offener zu zeigen; sie taten das in beeindruckender Weise. Zu dem Eindruck, es bei dieser Komposition mit ursprünglicher Gitarrenmusik zu tun zu haben, mag auch deren Wiedergabe beigetragen haben, für die die beiden Spieler einen insgesamt herberen Ton wählten. Jedenfalls war auch diese Komposition –ein Beitrag zum Haydn-Jubiläumsjahr- ein wirkliches Hörvergnügen voller klanglicher Überraschungen und geprägt von bewundernswertem technischem Können.
Abwechslungsreich waren auch die zehn in ihren Stimmungen sehr unterschiedlichen Sätze der „Valses Poeticos“ des spanischen Komponisten Enrique Granados: Die Einleitung erinnerte an Renaissancemusik, dann klang es mal eher melancholisch, mal hüpfte jemand vergnügt über eine Gasse, dann glaubte man, eine Zither beim Heurigen zu hören; mal klangen die Instrumente ganz offen und glänzend, mal dumpf durch abgedämpfte Saiten, und beim abschließenden „Melodioso“ schien es, als schlösse ein imaginärer Erzähler langsam ein Buch, dessen Geschichte noch eine Weile nachklang.
Die Premiere des jungen Duos hat neugierig gemacht auf mehr, und es ist zu hoffen, dass ihr noch viele Programme in solcher Qualität folgen.

Christian Dijkstal